Blau, Grün, Rot, Gelb… diese Grundfarben, aber auch viele andere erkennen Erwachsene ohne größere Probleme, doch es ist für Kinder eine ziemlich schwierige Aufgabe, Farben zu unterscheiden und zu benennen. Farben sind dabei unser Mittel, die Welt und ihre Vielfalt wahrzunehmen, und obwohl Kinder Unterschiede erkennen und sehen, können sie bis zu einem gewissen Alter die Farben nicht benennen. Wie bringt man einem Kind die Farben bei und vor allem wann sollte man beginnen?
Farben spielen eine Schlüsselrolle in der Entwicklung eines Kindes, und es kommt eine Zeit, in der ein Kind die Farben kennen sollte. Sie machen die Welt nämlich zu einem aufregenden Ort voller Leben und helfen Kindern gleichzeitig, die Umwelt zu verstehen und zu kategorisieren. Das Lernen der Farben ist ein wichtiger Meilenstein, der unterschiedliche kognitive und sprachliche Fähigkeiten betont und die Welt des Kindes erweitert. Die gute Nachricht ist, dass Farben auf eine faszinierende und unterhaltsame Weise gelernt werden können, sodass die Kinder nicht über Büchern sitzen müssen.
Wie und wann sollte man mit Kindern in die Welt der Farben eintauchen?
Die Farbwahrnehmung von Kindern entwickelt sich in den ersten Monaten recht schnell und ist typischerweise bis zum sechsten Monat vollständig ausgereift. Nicht umsonst geben wir Babys Spielzeug in kontrastreichen Farben und schwarz-weiß-rote Bücher, die deren Blick fesseln und zur Verbesserung der Sehfähigkeit beitragen. Das Lernen von Farben ist ein komplexer Prozess, der nicht über Nacht passiert, und auch wenn es nicht so scheint, handelt es sich um einen langen Vorgang, der bereits im frühesten Alter beginnt. Dieser Prozess lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:
- Frühe Exposition (von Geburt bis 12 Monate). In diesem Stadium entwickelt sich das Sehvermögen des Kindes weiterhin. Um den 3. Monat kann ein Baby bewegte Objekte verfolgen und danach greifen. Ein oder zwei Monate später arbeiten die Augen zusammen und bilden dreidimensionale Bilder, und das Kind beginnt, Tiefe wahrzunehmen. Kurz vor dem ersten Geburtstag fangen Kinder an, erste Wörter zu lernen, die die Grundlage der Sprache bilden und zu denen später auch Farbnamen gehören werden.
- Grundlegende Erkennung (von 12 bis 18 Monate). Im Alter von einem bis anderthalb Jahren ist zu beobachten, dass das Kind Farben wahrnimmt. Man kann sehen, dass das Kind eine Farbe bei Spielzeugen anderen vorzieht. Schon in diesem Stadium können Sie versuchen, die Farbe eines Gegenstandes zu benennen, um zu sehen, ob das Kind die richtige Farbe zeigen kann. 12-18 Monate sind jedoch noch ein niedriges Alter, um Farben perfekt zu identifizieren, also lassen Sie sich nicht entmutigen.
- Farben benennen (von 18 Monaten bis 3 Jahren). Ungefähr mit eineinhalb Jahren beginnen Kinder zu verstehen, dass Farben mit bestimmten Bezeichnungen verbunden sind, doch sie lernen Wörter für Objekte noch bevor sie verstehen, welche Farbe was hat. Wenn sie zum Beispiel lernen, dass Ihr Auto blau ist, dauert es eine Weile, bis sie begreifen, dass nicht alle Autos blau sind, nur weil es Autos sind. In diesem Alter ist es wichtig, auf Gegenstände zu zeigen, sie zu benennen und die Farben zu beschreiben, wodurch das Verständnis der Kinder sich verbessert. Forscher der Stanford University haben beispielsweise festgestellt, dass die umgekehrte Reihenfolge der Beschreibung einen wichtigen Einfluss auf das Lernen von Farben hat. Ein Kind versteht und identifiziert Farben leichter, wenn man sagt: „Der Apfel ist rot“ statt „roter Apfel“.
- Fortgeschrittene Kenntnisse (von 3 bis 5 Jahren). Mit ungefähr drei Jahren sind Kinder schon gewissenhafter beim Benennen von Farben und können Farbe vom Gegenstand trennen. Sie wissen dann, dass Blau nicht nur das Auto ist, sondern auch andere Gegenstände und Autos verschiedene Farben haben können. Mit etwa 4 Jahren beginnen sie auch, Farbtöne zu verstehen und sind bereit für das Konzept der Entstehung neuer Farben, beispielsweise durch das Mischen beim Malen.

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Erlebnisorientiertes Farblehren
Farben sind ein Teil des täglichen Lebens und Kinder lernen sie am schnellsten durch verschiedene Spiele, Aktivitäten, aber auch durch gewöhnliche Alltagsaktivitäten. Verschiedene Farbtöne können anfangs verwirrend sein, deshalb ist es sinnvoll, sich bei Kindern auf die Grundfarben zu konzentrieren und Farbtöne wie Himmelblau, Fuchsia, Salbeigrün, Khaki usw. auf später zu verschieben. Das Kennenlernen der Farben soll für die Kinder ein Erlebnis sein, daher können Sie die folgenden 7 Wege ausprobieren, wie Sie Kindern Farben beibringen können:
- Verspieltes Sortieren der Farben – Sortierspiele können Sie kaufen, aber auch selbst zu Hause herstellen. Sie benötigen nur farbige Behälter (zum Beispiel Schalen, Becher oder Taschen) und farbige Gegenstände (Bausteine, Bälle, Bauteile). Die Aufgabe der Kinder ist es, die Gegenstände in Behälter mit der gleichen Farbe einzusortieren, wobei Sie jedes Mal die Farbe benennen oder die Kinder fragen, welche Farbe es ist.
- Farbige Karten – Lernkarten mit verschiedenen Gegenständen oder Tieren zeigen oft deutlich bunte Bilder, die ebenfalls zum Lernen der Farben genutzt werden können. Farbige Karten können später eine hilfreiche Lernhilfe für Formen und viele sind auch zum Lesen und Zählen geeignet.
- Bunte Puzzles – sie ähneln den bunten Lernkarten, sind aber etwas anspruchsvoller. Es gibt viele verschiedene Arten, wobei oft von den Kindern verlangt wird, Teile in der richtigen Farbe am richtigen Ort einzusetzen. Diese Aktivität fördert nicht nur die Farberkennung, sondern auch kritisches und analytisches Denken.
- Zeichnen und Malen – Malen ist eine ideale Methode, um die Kreativität und Fantasie der Kinder zu fördern und gleichzeitig etwas über Farben zu lernen. Diese Aktivitäten fördern auch die Feinmotorik, Geduld und Konzentration. Während kreativer Tätigkeiten können Sie mit den Kindern über Farben sprechen und verschiedene Fragen dazu stellen: Welche Farbe hat das Gras? Wie wird der Himmel? Welche Farbe hat die Sonne? Es kommt vor, dass ein Kind blaues Gras und eine grüne Sonne malt; das bedeutet nicht sofort, dass es eine Farbsehstörung hat. Kinder experimentieren so und machen das manchmal auch nur, um die überraschte Reaktion der Eltern zu sehen.
- Bunte Bilderbücher – Lesen ist ähnlich wie Zeichnen und Malen eine vielseitige Aktivität, bei der Sie mit den Kindern Farben entdecken können. Auf dem Markt gibt es Kinderbücher mit den Grundfarben, die für den Anfang geeignet sind, aber auch komplexere Bücher mit dem ganzen Farbspektrum.
- Rate, was ich sehe – eine Alternative zum Spiel „Rate, woran ich denke“ besteht darin, gemeinsam mit den Kindern nach Objekten in einer bestimmten Farbe zu suchen. Sie sagen zum Beispiel: „Ich sehe etwas Grünes“ und das Kind muss in seiner Umgebung einen grünen Gegenstand finden und benennen. So lernen alle die Farben, und Kinder überraschen mit ihrer Einfallsreichtum. Vielleicht sehen sie sofort grünes Gras, aber die Antwort kann viel detaillierter sein, wie zum Beispiel ein grüner Punkt auf einem Ball.
- Alltagsaktivitäten und Gespräche – haben Sie schon einmal daran gedacht, dass selbst das einfache Sortieren von Socken zu einem Farbenspiel werden kann? Sortieren nach Farben, aber auch das Aussuchen von Kleidung, Kochen, das Anschauen von Zeichentrickfilmen oder Spaziergänge im Park oder Wald – all diese Aktivitäten sind voller Farben. Sie müssen sich nur umschauen und beschreiben, was Sie sehen. Grüne Blätter, braune Baumstämme, lila Wiesenblumen, weiße Wolken am Himmel… Für Erwachsene sind diese Dinge oft nur gewöhnliche Gegenstände, die uns umgeben, aber wenn man sie durch die Augen eines Kindes sieht, eröffnet sich eine weite und vor allem bunte Welt.

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Was, wenn die Welt nicht bunt ist?
Sorgsame Eltern, die sich ihrem Kind widmen und seine Entwicklung beobachten, können im Verlauf des Farblehrens Zweifel bekommen, ob ihr Kind eine Farbsehstörung hat, also farbenblind ist. Dass ein Kind Farben nicht so sieht, wie es sollte, wird meistens vor dem Schuleintritt oder in den ersten Wochen der ersten Klasse bemerkt. Sie können es jedoch auch früher wahrnehmen oder werden vom Kindergartenlehrer/dessen Lehrerin darauf aufmerksam gemacht. Zu den wichtigsten Anzeichen, auf die man bei Verdacht auf Farbenblindheit achten sollte, gehören:
- das Kind kann im Alter von fünf Jahren grundlegende Farben nicht unterscheiden und benennen;
- wiederholter und häufiger Gebrauch falscher Farben beim Zeichnen und Malen – blaue Gesichter, rotes Gras, gelber Himmel usw.;
- geringe und nur kurz andauernde Aufmerksamkeit beim Ausmalen von Malvorlagen;
- Abneigung gegen Farben (z. B. sind Kinder mit autistischem Spektrum sehr empfindlich gegenüber Farben, deshalb können sie bunte Kleidung, Spielzeug und Bücher ablehnen);
- Schwierigkeiten bei der Identifizierung der grünen und roten Farbe;
- Probleme bei der Unterscheidung von Farben bei schwacher Beleuchtung, beim Arbeiten mit kleinen Farbflächen oder Farben mit ähnlichen Tönen;
- Das Essen vor dem Probieren riechen;
- Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht und bestimmten Farbkombinationen;
- Kopfschmerzen und/oder Augenschmerzen beim Anblick eines roten Gegenstandes auf grünem Hintergrund oder umgekehrt.
Farbenblindheit, bzw. Farbsehstörung oder Daltonismus, bedeutet nicht, dass ein Kind die Welt in Grautönen sieht. In den meisten Fällen sehen Menschen mit dieser Störung Farben anders als Menschen ohne Störung. Die häufigste Form der Farbenblindheit ist ein vermindertes Wahrnehmen von Grün und Rot. Kinder (wie auch Erwachsene) könnten Rot und Grün daher als Gelb wahrnehmen. In geringerem Ausmaß tritt auch eine schlechte Wahrnehmung der blauen Farbe auf, und Schwarz-Weiß-Sehen ist sehr selten. Die Ursache für Farbenblindheit ist hauptsächlich genetisch, wobei Männer (8 %) häufiger betroffen sind als Frauen (0,4 %).
Quelle:
- Paul Travers. Amazing ways to teach toddlers about colours. Online. In: Emma’s Diary. 2024. Verfügbar unter: https://www.emmasdiary.co.uk/baby/lets-play/colouring-sets-for-toddlers.
- When Do Kids Learn Colors? Online. In: Brighter Futures Indiana. Verfügbar unter: https://brighterfuturesindiana.org/blog/when-do-kids-learn-colors.
- The better way to help your toddler learn colors. Online. In: Lovevery. Verfügbar unter: https://blog.lovevery.com/child-development/the-better-way-to-help-your-toddler-learn-colors/.
- Spotting the Early Symptoms of Colour Vision Deficiency in Children. Online. In: Colour Blind Awareness. Verfügbar unter: https://www.colourblindawareness.org/families/early-symptoms/.





