Die Liebe zu Büchern entsteht schon in der Kindheit: Wissen Sie, wie man Kindern vorliest?

4 Min.
26. Oct'25

Die Aufmerksamkeit für Bücher sollte nicht nur im März – dem Monat des Buches – im Mittelpunkt stehen. Sich wenigstens einmal am Tag Zeit für eine Gute-Nacht-Geschichte zu nehmen, hat auf Kinder einen erstaunlich positiven Einfluss. Doch wie liest man einem dreijährigen Kind vor – und wie einem zehnjährigen, das bereits selbst lesen kann?

Ein Kinderbuch auszuwählen, ist dank der gut durchdachten Kategorien in Buchhandlungen gar nicht so schwierig. Viele Expertinnen und Experten sind sich jedoch einig, dass die Art und Weise, wie wir Kindern vorlesen, noch wichtiger ist als die Auswahl des Buches selbst. Wie liest man Bilderbücher, die voller Illustrationen, aber ohne Text sind? Und wie weckt man das Interesse von Kindern an Sachbüchern? Sehen wir uns gemeinsam an, wie man Kindern unterschiedlichen Alters vorliest und wie man bei ihnen Lesekompetenz und die Liebe zu Büchern fördern kann.

Von 3 bis 5 Jahren: Es dreht sich alles um Illustrationen

Ganz gleich, welches Märchenbuch Sie aufschlagen – Kinder in diesem Alter sind sofort von den Bildern fasziniert. Interessanterweise verbringen Kleinkinder und Vorschulkinder nur etwa 6 % ihrer Lesezeit damit, auf Buchstaben und Wörter zu schauen. Die restlichen 94 % ihrer Aufmerksamkeit gilt den Illustrationen. Deshalb sollten Sie bei der Auswahl von Büchern für diese Altersgruppe genau darauf achten.

Bringen Sie Kindern von Anfang an bei, was alles in einem Buch steckt. Zeigen Sie ihnen das Cover, den Buchtitel und den Autorennamen, und benennen Sie die einzelnen Elemente. Erklären Sie, wer der Autor ist (die Person, die das Buch geschrieben hat) und was der Titel bedeutet (er verrät uns, worum es in der Geschichte geht).

Auch wenn Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren noch nicht lesen können, versuchen Sie ihnen den Unterschied zwischen den verschiedenen Elementen auf den Buchseiten zu erklären. Machen Sie diesen Teil des Lesens zu einem Spiel und zeigen Sie den Kindern Buchstaben, lange und kurze Wörter, Sätze, aber auch Punkte und Leerzeichen.

Nicht zuletzt: Stellen Sie viele Fragen. Besonders erfolgreich sind Fragen wie: „Wo ist die Katze/der Hund/die Giraffe?“, „Wo ist der Junge und wo das Mädchen?“, „Kannst du mir zeigen, wo der Punkt steht, der das Satzende markiert?“, „Findest du das kürzeste Wort auf dieser Seite?“ Kinder verstecken sich nicht nur gern, sondern lieben auch das Suchen und Entdecken. Kein Wunder also, dass viele Bücher für die Kleinsten kleine „Geheimverstecke“ enthalten, die es aufzuspüren gilt.

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Von 4 bis 6 Jahren: Greifen Sie zur Sachliteratur

Erinnern Sie sich an die letzten Bücher, die Sie Ihren Kindern vorgelesen haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren es fantastische Geschichten mit einer wunderbaren Märchenhandlung, einer spannenden Erzählstruktur, interessanten Figuren und einem schönen Ende. Gegen fiktive Geschichten ist absolut nichts einzuwenden – dennoch sollten Kinder schon früh auch mit Sachliteratur in Berührung kommen. Damit sind selbstverständlich keine dicken, informationsüberladenen Enzyklopädien gemeint, sondern liebevoll illustrierte Bücher mit kindgerecht aufbereitetem Fachwissen.

Kinder in diesem Alter sind in der Lage, Ihnen bis zu 400 Fragen pro Tag zu stellen – Fragen, auf die Sie manchmal keine Antwort wissen oder bei denen Sie unsicher sind, wie Sie altersgerecht antworten sollen. In genau solchen Momenten sind „Fachbücher“ für Kinder eine wertvolle Hilfe. Interessieren sich Ihre Kinder dafür, warum die Blätter an den Bäumen grün und nicht blau sind? Fragen sie, warum es den Großen und den Kleinen Wagen gibt, aber keinen Mittleren? Wollen sie wissen, warum Katzen schnurren und warum jeden Morgen die Sonne am Himmel erscheint? Kinderbücher kennen die Antwort – und dank der Illustrationen können Kinder diese Antworten viel besser verstehen. Und ganz bestimmt erfahren auch Sie dabei etwas Neues.

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Von 6 bis 10 Jahren: Lesen mit Verständnis

Beim Vorlesen für ältere Kinder empfehlen Fachleute, darauf zu achten, ob das Kind die Geschichte tatsächlich wahrnimmt und versteht. Stellen Sie während des Lesens verschiedene Fragen, die sich auf die Handlung beziehen. Zum Beispiel: „Wohin wird der Junge jetzt gehen?“ oder „Was meinst du, wie der Hund diese Situation lösen wird?“ Solche Fragen regen Kinder dazu an, nachzudenken und das Buch wirklich bewusst zu erleben.

Manche Kinder schweifen beim Lesen gedanklich ab und können sich nur schwer konzentrieren. Ihre Aufmerksamkeit gewinnen Sie, wenn Sie schon während des Lesens über das Buch sprechen. Denken Sie laut über die Handlung, über die Figuren und ihre Beweggründe nach. Dadurch entsteht im kindlichen Geist eine Art Landkarte, die dem Kind hilft, das Gelesene besser zu reflektieren.

Unterstützen Sie die Diskussion über das Buch, indem Sie in der ersten Person sprechen. Beginnen Sie Ihre Gedanken mit Formulierungen wie: „Ich frage mich, ob …“, „Ich beginne zu denken, dass …“,
„Wenn ich den Autor nur fragen könnte …“. Übertreiben Sie es jedoch nicht mit Ihren eigenen Überlegungen und lenken Sie die Aufmerksamkeit nicht zu sehr vom eigentlichen Inhalt der Geschichte ab. Geben Sie den Kindern Raum für ihre eigene Fantasie.

In Büchern für diese Altersgruppe gibt es sicher Passagen, die Kinder nicht verstehen. Überspringen Sie diese Stellen nicht und ignorieren Sie ihr Unwissen nicht. Versuchen Sie stattdessen, ihnen so gut wie möglich zu erklären, worum es in dem jeweiligen Abschnitt geht. Bringen Sie ihnen bei, dass es keine Schande ist, etwas im Buch nicht zu verstehen. Lesen Sie schwierige Passagen gemeinsam noch einmal – und schließlich werden Sie die Bedeutung gemeinsam entschlüsseln.

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